Das Bambui-Königreich im Nordwesten Kameruns
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📚 Was Sie in diesem Artikel lernen
- ✅ Wer die Bambui sind: Wie das Königreich Bambui (Mbeuh/Mbui) aus der Tikar-Migration hervorging, sich im Bamenda-Grasland etablierte und über 600 Jahre politische, kulturelle und militärische Macht aufgebaut hat.
- ✅ Migration, Krieg und Territorium: Welche Rolle Figuren wie Tah Formanjuh und König Zetingong bei der gefährlichen Wanderung aus Tibati, den Siedlungen in Feudeuh und der Gründung von Vierteln wie Manju, Matulaah und Mallam spielten – inklusive Verteidigungsgräben, Sub-Chiefdoms und späterer Konflikte mit Fingeh und Alaakubeh.
- ✅ Innere Verfassung des Fondoms: Wie das Zusammenspiel von Fon (Mfor), Kwifon/Ngwerong und Geheimgesellschaften wie Takumbeng/Fem als System von Checks and Balances funktioniert und warum der Palast (Ntoh) gleichzeitig Verwaltungs- und Sakralzentrum ist.
- ✅ Macht durch materielle Kultur: Welche Bedeutung heilige Steine, Nachrichtentrommeln, „Country Pots“, Palastmaskeraden und andere Kunstobjekte in Bambui für Autorität, Erinnerung an Sklavenhandel und Kolonialzeit und für die politische Sozialisation der Jugend haben.
- ✅ Hyperpräsidentialismus in Kamerun: Wie sich Kamerun vom Föderalismus zum zentralisierten Einheitsstaat entwickelt hat, warum Paul Biyas Langzeitregime als hyperpräsidential bezeichnet wird und inwiefern dies Gerontokratie, Machtkonzentration und Marginalisierung anglophoner Regionen verstärkt.
- ✅ Traditional Chiefs im Würgegriff des Staates: Was das Dekret von 1977 aus Fons und Chiefs „Administrative Auxiliaries“ gemacht hat, wie Nachfolgestreitigkeiten politisiert werden und warum viele traditionelle Herrscher in der Nordwest-Region als verlängerte Arme des Regimes wahrgenommen werden.
- ✅ Anglophone Krise vor Ort: Wie der Konflikt seit 2016 Bambui trifft – von verbrannten Schulen und „Lockdowns“ über Entführungen bis hin zu den Überlebensstrategien der „nicht-vertriebenen“ Studierenden, die ihren Bildungsweg zwischen Amba Boys und Staatsgewalt neu organisieren.
- ✅ Ökonomie und ökologische Risiken: Warum Bambui trotz Krieg ein landwirtschaftlicher Knotenpunkt bleibt, welches Potenzial in Joghurtkooperativen, Mais‑ und Bohnenanbau oder Kunsthandwerk steckt – und welche Gefahren von Schwermetallen, vulkanischer Geochemie und belasteten Wasserquellen ausgehen.
- ✅ Kulturelle Resilienz & Jugend: Wie Sprache, Maskentänze, Festivals wie Abin Mfor und Mendele sowie Speisen wie Achu als Widerstand gegen politische Marginalisierung fungieren und der Jugend Räume bieten, Gewalt, Trauma und Ungerechtigkeit performativ zu verhandeln.
💡 Warum dieser Artikel wichtig ist: Er zeigt, wie sich im Mikrokosmos eines Grasland-Königreichs Migration, Tradition, materielle Kultur, Staatszentralismus und Bürgerkrieg überlagern – und wie Bambui zwischen Hyperpräsidentialismus, anglophoner Krise und ökologischen Risiken um Würde, Bildung und kulturelle Selbstbehauptung ringt.
⏱️ Lesezeit: ca. 25–30 Minuten | 📍 Region: Kamerun, Bamenda-Grasland (Nordwest) | ⏳ Fokus: Geschichte, traditionelle Machtstrukturen, Hyperpräsidentialismus & anglophone Krise
Eine soziopolitische Analyse zwischen traditioneller Erhabenheit, ökologischen Herausforderungen und der Erstarrung des kamerunischen Hyperpräsidentialismus
Das Königreich Bambui, in der lokalen Sprache als Mbeuh oder Mbui bekannt, stellt eine der komplexesten soziokulturellen Einheiten im Bamenda-Grasland der Nordwest-Region Kameruns dar. Mit einer Geschichte, die über 600 Jahre zurückreicht, fungiert dieses Fondom nicht nur als Hüter antiker Tikar-Traditionen, sondern auch als Brennglas für die Spannungen des modernen kamerunischen Nationalstaats. Die Untersuchung der Bambui erfordert eine multidimensionale Perspektive, die von der ethnohistorischen Migration aus dem Adamaua-Hochland über die kunsthistorische Bedeutung sakraler Objekte bis hin zur kritischen Analyse des politischen Systems Kameruns reicht, das durch die Dominanz der Exekutive und die Marginalisierung anglophoner Identitäten geprägt ist.
Ethnohistorische Fundamente und die Dynamik der Migration
Die Geschichte des Bambui-Königreichs ist untrennbar mit der großräumigen Migration der Tikar-Völker verbunden, die als eine der prägenden ethnischen Bewegungen in der Geschichte Kameruns gilt. Die Vorfahren der Bambui lassen sich auf Gruppen zurückführen, deren Siedlungsgebiete sich einst vom Norden Kameruns bis in den heutigen Tschad und Sudan erstreckten. Diese Verwandtschaft verbindet sie kulturell und linguistisch mit anderen bedeutenden Gruppen des Graslandes wie den Bamilike, Nso, Bali und Bamun.
Die Wellen der Besiedlung und territoriale Expansion
Die Migration aus Tibati in der Adamaua-Region verlief nicht als einmaliges Ereignis, sondern als eine Abfolge von Wellen, die von ehrgeizigen Prinzen und Familienoberhäuptern angeführt wurden, die bestrebt waren, eigene Dynastien zu gründen. Ein zentraler Akteur dieser frühen Phase war Tah Formanjuh, der maßgeblich für den Zusammenhalt der verschiedenen Familiengruppen während der gefährlichen Reise durch das Mbam-Tal verantwortlich war. Nach einer Phase der Reorganisation in der Ndop-Ebene erkämpften sich die Gruppen ihren Weg zum heutigen Standort, wobei die erste feste Siedlung in Feudeuh, einem hügeligen Gebiet nahe dem heutigen Institut für landwirtschaftliche Forschung (IRAD), errichtet wurde.
Unter der Herrschaft des ersten Königs, King Zetingong, verfolgte das Volk eine expansionistische Politik. Durch kriegerische Auseinandersetzungen mit anderen Migrantengruppen wurde das Territorium stetig erweitert, was zur Gründung der historischen Viertel Manju, Matullah und Mallam führte. Ein bleibendes Zeugnis dieser Ära sind die zahlreichen Verteidigungsgräben, die noch heute die Landschaft des Königreichs durchziehen und die strategische Bedeutung der Verteidigung in einer Zeit ständiger territorialer Verschiebungen unterstreichen.
| Viertel / Sub-Chiefdom | Ursprung / Migrationsepoche | Hintergrund der Ansiedlung |
| Manju | Gründungsphase (vor ca. 400-600 Jahren) |
Nachfahren der ursprünglichen Tikar-Migrante |
| Mallam | Gründungsphase |
Teil der ursprünglichen Kernfamilie des König |
| Matulaah | Gründungsphase |
Teil der ursprünglichen Kernfamilie des König |
| Fingeh (Bafinge) | 20. Jahrhundert |
Emigration aus Kom nach Landstreitigkeite |
| Alaakubeh | 20. Jahrhundert |
Emigration aus Santa Mbeh nach Nachfolgekonflikten |
Die Ankunft späterer Gruppen wie der Menschen aus Fingeh und Alaakubeh unter der Regentschaft von Fon Amungwafor II. (1947–1995) verwandelte Bambui in einen kulturellen Schmelztiegel. Diese Integration verlief jedoch nicht immer spannungsfrei; so führten Bestrebungen des Sub-Chiefdoms Fingeh, die Unabhängigkeit von Bambui zu erlangen, sowohl in der kolonialen als auch in der postkolonialen Ära zu erheblichen politischen Krisen.
Die soziopolitische Architektur des Fondoms
Das politische System von Bambui ist durch eine duale Machtstruktur gekennzeichnet, die typisch für die hochgradig hierarchisierten Gesellschaften des Bamenda-Graslandes ist. An der Spitze steht der Fon (König), dessen Amt als sakral gilt und der als lebendes Bindeglied zwischen der physischen Welt und den Ahnen fungiert.
Der Fon und der Kwifon: Ein System von Checks and Balances
Obwohl der Fon eine enorme exekutive Autorität genießt, ist seine Macht nicht absolut. Er unterliegt der Kontrolle durch den Kwifon (oder Ngwerong), eine regulatorische Gesellschaft von Gemeinen, die als judikative und exekutive Instanz des Königreichs fungiert. In Bambui wird der Fon auch als Mfor bezeichnet und residiert im Ntoh (Palast), der das administrative und spirituelle Zentrum der Gemeinschaft darstellt. Der Kwifon verfügt über die Macht, den Fon zu beraten, bei Fehlverhalten zu rügen und spielt eine entscheidende Rolle bei der Inthronisierung und Beisetzung der Herrscher.
Neben dem Kwifon existieren weitere Geheimgesellschaften wie der Takumbeng (in Bafut und Bambui auch als Fem bekannt), eine Gruppe von Würdenträgern, die für den Schutz des Dorfes und die Durchführung ritueller Reinigungen verantwortlich ist. Die Mitgliedschaft in diesen Gesellschaften ist oft an komplexe Titelsysteme gebunden, die den Inhabern spezifische Vorrechte in Bezug auf Kleidung, Zeremonien und Entscheidungsfindung verleihen.
Materielle Kultur als Repräsentation von Macht
In den Grasland-Gesellschaften werden Macht und Status nicht nur durch Worte, sondern auch durch materielle Symbole vermittelt. Die Kunst von Bambui, wie sie Mathias Fubah Alubafi beschreibt, dient als Lebensweise, Ritual und Kommunikationsmittel mit dem Sublimen.
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Sakrale Steine und Megalithen: Im Palast von Bambui finden sich heilige Steine unterschiedlicher Kategorien. Diese dienen als Symbole für Autorität und sind tief in der Ahnenverehrung verwurzelt. Einige Steine stützen die riesigen Nachrichtentrommeln, während andere den Zugang zu geheimen Bereichen markieren, die von Frauen oder Nicht-Initiierten nur barfuß oder gar nicht betreten werden dürfen.
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Country Pots (Traditionelle Töpfe): Diese Objekte aus Ton, Holz oder Grasfasern sind Ausdruck von Macht und Religion. Große Tonkrüge dienen der Lagerung von Getreide und Palmwein, während speziell geschnitzte Holztöpfe bei Versammlungen der Geheimgesellschaften zur gemeinschaftlichen rituellen Trankopferung genutzt werden.
- Masken und Identität: Die Maskeraden des Palastes sind nicht bloße Folklore, sondern Sedimente historischer Erinnerung. Laut Nicolas Argenti spiegeln die Maskentänze (wie Nko-oh und Nikang) die traumatischen Erfahrungen des Sklavenhandels und der Kolonialzeit wider. Für die heutige Jugend in Bambui bieten diese Aufführungen eine Möglichkeit, die Ungerechtigkeiten gegenüber den Dorfältesten und dem Staat zu adressieren und zu subvertieren.
Das politische System Kameruns: Hyperpräsidentialismus und demokratische Erstarrung
Um die aktuelle Lage der Bambui zu verstehen, ist eine Analyse des übergeordneten staatlichen Rahmens unerlässlich. Das politische System Kameruns wird oft als "Hyperpräsidentialismus" bezeichnet, ein Konzept, das eine extreme Machtkonzentration in den Händen des Staatschefs beschreibt.
Die Genese der exekutiven Dominanz
Seit der Unabhängigkeit und der anschließenden Wiedervereinigung 1961 hat sich Kamerun von einer föderalen Struktur zu einem hochzentralisierten Einheitsstaat entwickelt. Das Referendum von 1972, das zur Gründung der Vereinigten Republik Kamerun führte, markierte den Beginn einer systematischen Demontage der anglophonen Autonomie. Unter Präsident Paul Biya, der seit 1982 im Amt ist, wurde dieser Prozess durch die Umbenennung in "République du Cameroun" (1984) weiter vorangetrieben – ein symbolischer Akt, der die anglophone Identität faktisch negierte.
Der kamerunische Hyperpräsidentialismus zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
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Marginalisierung der Gewaltenteilung: Die Legislative und Judikative fungieren weitgehend als Erfüllungsgehilfen der Exekutive. Es mangelt an konstitutionellen Mechanismen, wie etwa einem echten Misstrauensvotum, um die Macht des Präsidenten zu begrenzen.
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Politische Immunität: Der Präsident genießt eine faktische Unantastbarkeit für Handlungen während seiner Amtszeit, da die juristischen Definitionen von Vergehen wie "Hochverrat" vage bleiben.
- Gerontokratie und Elitezirkulation: Die politische Führung besteht aus einer kleinen Gruppe von Akteuren, die oft seit Jahrzehnten im Staatsapparat verbleiben, was zu einer Erstarrung des demokratischen Prozesses geführt hat.
Traditionelle Herrscher als administrative Hilfskräfte
Ein besonderes Merkmal des kamerunischen Staates ist die Instrumentalisierung der Fons und Chiefs. Durch das Dekret Nr. 77-245 von 1977 wurden diese zu "Verwaltungsgehilfen" (Administrative Auxiliaries) degradiert. In dieser Funktion sind sie verpflichtet, staatliche Direktiven umzusetzen, Steuern einzutreiben und für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu sorgen.
Dieses System schafft ein tiefes Paradoxon: Während die Fons formal Hüter der Tradition sind, werden sie in der Praxis zu Beamten des Zentralstaats. Dies hat zu einer erheblichen Erosion ihrer Legitimität geführt. In der Nordwest-Region sahen sich viele Fons während der politischen Turbulenzen der 1990er Jahre und der aktuellen anglophonen Krise mit dem Vorwurf konfrontiert, die Interessen ihres Volkes an das Regime in Yaoundé zu verraten. Die Einmischung des Staates in Nachfolgestreitigkeiten und die Beilegung traditioneller Konflikte vor staatlichen Gerichten haben zudem die mystische Dimension des Fon-Amtes geschwächt.
Die anglophone Krise: Auswirkungen auf Bambui
Seit 2016 befindet sich der Nordwesten Kameruns in einem Zustand des bewaffneten Konflikts. Was als friedlicher Protest von Anwälten und Lehrern gegen die Frankofonisierung der Justiz und des Bildungswesens begann, eskalierte nach brutaler staatlicher Repression in einen sezessionistischen Krieg.
Zerstörung der Infrastruktur und Bildungskrise
Bambui, als bedeutender Bildungsstandort, ist besonders hart getroffen. Das Dorf beherbergt nicht nur zahlreiche Schulen, sondern liegt auch strategisch günstig an der "Ring Road", was es zu einem häufigen Schauplatz von Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und separatistischen Kämpfern (Amba Boys) macht.
In Bambui wurden Bildungseinrichtungen wie die Government Secondary School (GSS) im Viertel Macha niedergebrannt. Separatisten verhängten "Lockdowns" und verboten den Betrieb staatlicher Schulen, während Lehrer und Schüler Opfer von Entführungen und Folter wurden.
Anthropologie der Nicht-Vertriebenen
Ein bedeutender Forschungsaspekt ist die Situation der Studenten, die trotz der Krise in Bambui geblieben sind. Eine Untersuchung der Universität Yaoundé I zeigt, dass sozio-kulturelle Bindungen, rituelle Verpflichtungen und finanzielle Notlagen viele junge Menschen am Fliehen hinderten. Diese "nicht-vertriebenen" Studenten haben komplexe Coping-Strategien entwickelt:
- Sie tragen keine Schuluniformen mehr, um nicht als Ziele identifiziert zu werden.
- Sie nutzen informelle Netzwerke und verwandeln Privathäuser in Klassenzimmer.
- Sie modifizieren ihr Erscheinungsbild (Frisuren, Kleidung), um eine neutrale Identität zu wahren.
Diese Jugendlichen leben in einem permanenten Spannungsfeld zwischen dem Druck der Separatisten, den Staat zu boykottieren, und dem Wunsch nach einer formalen Bildung, die oft nur in den sichereren, frankophonen Regionen möglich wäre.
Ökonomische Realitäten und ökologische Gefährdung
Trotz der politischen Instabilität bleibt Bambui ein wichtiges landwirtschaftliches Zentrum. Das dort ansässige IRAD (Institute of Agricultural Research for Development) ist federführend in der Entwicklung neuer Maissorten und der Verbesserung der Viehzucht.
Wirtschaftlichkeit kleinbäuerlicher Produktion
Untersuchungen zur Joghurtproduktion in Bambui zeigen das Potenzial für eine nachhaltige ländliche Entwicklung auf. Agribusiness-Kooperativen, insbesondere solche, die von Frauen geführt werden, bieten eine wichtige Alternative zur reinen Subsistenzwirtschaft. Die ökonomische Analyse ergab eine beachtliche Kapitalrendite (ROI), was die Resilienz der ländlichen Gemeinschaft unterstreicht, sofern ein gewisses Maß an Sicherheit gewährleistet ist.
| Produkt / Tätigkeit | Wirtschaftlicher Indikator | Relevanz |
| Joghurtproduktion | 34% ROI (340 XAF Gewinn pro 1.000 XAF Investition) |
Stärkung der Non-Farm Economy (NFE) |
| Mais & Bohnen | Hauptanbaukulturen |
Ernährungssicherheit der Region |
| Kunsthandwerk (Korb-/Töpferei) | Lokaler & regionaler Handel |
Erhalt kultureller Technike |
Umweltchemische Belastungen in einer vulkanischen Landschaft
Bambui liegt innerhalb der Kamerunischen Vulkanlinie, was die Geochemie der Region maßgeblich prägt. Wissenschaftliche Studien haben jedoch alarmierende Werte für Schwermetalle in den Flusssedimenten festgestellt. Erhöhte Konzentrationen von Elementen wie Kobalt, Chrom, Blei und Zink stammen sowohl aus natürlichen Quellen (Verwitterung vulkanischer Gesteine) als auch aus menschlichen Aktivitäten wie der unsachgemäßen Entsorgung von Siedlungsabfällen und dem massiven Einsatz von Düngemitteln. Zudem weisen hydrochemische Analysen darauf hin, dass die lokalen Quellen oft hohe elektrische Leitfähigkeiten und TDS-Werte aufweisen, was ihre Eignung als Trinkwasser ohne vorherige Aufbereitung einschränkt.
Kulturelle Resilienz und die Rolle der Jugend
Inmitten von Krieg und ökologischen Risiken bleibt die Kultur das wichtigste Bindeglied der Bambui-Gesellschaft. Die Bewahrung der Mbui-Sprache, trotz des omnipräsenten Pidgin-Englisch, wird als Akt des Widerstands und der Identitätsbehauptung verstanden.
Maskerade als soziales Gedächtnis
Die Arbeit von Nicolas Argenti über die "Intestines of the State" verdeutlicht, dass die Maskentänze im Grasland weit mehr als touristische Attraktionen sind. Sie sind performative Räume, in denen die Jugend die strukturelle Gewalt des Staates und die Ausbeutung durch lokale Eliten verarbeitet. In Bambui ermöglichen diese Tänze eine Aktualisierung der Vergangenheit in der Gegenwart. Indem sie die Schrecken des Sklavenhandels und der Kolonialzeit nachahmen, geben sie den jungen Männern und Frauen eine Stimme gegen die heutige politische Marginalisierung.
Festivals und rituelle Kontinuität
Die jährlichen Festivals, wie das Abin Mfor oder das Mendele, dienen der Zurschaustellung der kulturellen Pracht und der Stärkung der sozialen Kohärenz. Hierbei spielen traditionelle Nahrungsmittel wie "Achu" (gelbe Suppe) eine zentrale Rolle als Symbole der Gemeinschaft. Diese Zeremonien sind jedoch zunehmend durch die Krise bedroht, da Versammlungen oft als politisches Risiko eingestuft werden oder unter der Bedrohung durch Gewalt leiden.
Fazit: Bambui im Würgegriff des Zentralismus
Das Schicksal von Bambui ist ein Spiegelbild der größeren kamerunischen Tragödie. Ein Volk mit einer reichen, 600-jährigen Tradition sieht sich einem hochzentralisierten Staat gegenüber, der Vielfalt eher als Bedrohung denn als Stärke begreift. Der Hyperpräsidentialismus unter Paul Biya hat zu einer Erstarrung geführt, die den friedlichen Ausdruck politischer Differenzen nahezu unmöglich macht.
Die Transformation der Fons zu Verwaltungsangestellten hat das traditionelle Machtgefüge nachhaltig beschädigt und ein Vakuum geschaffen, das nun durch Gewalt und Instabilität gefüllt wird. Dennoch zeigt die Resilienz der Studenten, der Erhalt der sakralen Kunst und die fortwährende Durchführung ritueller Tänze, dass die kulturelle Substanz der Bambui tiefer verwurzelt ist als die vergänglichen Strukturen des postkolonialen Staates. Die Zukunft von Bambui wird davon abhängen, ob es Kamerun gelingt, den Weg zurück zu einem echten Föderalismus und einer inklusiven Demokratie zu finden, die den Völkern des Graslandes den Raum gibt, den sie für ihre Entfaltung benötigen.