Ruanda von Gerd Hankel
Ruanda von Gerd Hankel
Impossible de charger la disponibilité du service de retrait
ISBN: 978-3-86674-539-1
Auteur: Gerd Hankel
Éditeur: Dietrich zu Klampen
Langue: Allemand
Numéro de page: 500
Livre, en allemand.
Leben und Neuaufbau nach dem Völkermord. Wie Geschichte gemacht und zur offiziellen Wahrheit wird.
Wie entwickelt sich ein Land nach einem Völkermord? Wie leben Täter und Opfer zusammen? Welche Wahrheit bildet das Fundament des Zusammenlebens? Und welcher Gebrauch wird von dieser Wahrheit nach innen bzw. nach aussen gemacht? Mit welchem Erfolg?
Über fast fünfzehn Jahre hinweg hat Gerd Hankel Ruanda und dessen Nachbarland, die Demokratische Republik Kongo, immer wieder besucht und dabei Antworten auf all diese Fragen gesucht. Das Bild, das er zeichnet, ist ernüchternd. Der Völkermord ist zu einem politischen Instrument geworden, das der Absicherung von Herrschaft dient. Nicht um Aufarbeitung und Versöhnung geht es, sondern um die Durchsetzung eines Geschichtsbildes, das keinen Widerspruch duldet.
Hinter dem Vorzeigestaat in Zentralafrika, der gemeinhin als Leuchtturm der Entwicklung in der Region und als Vorbild der Vergangenheitsaufarbeitung gilt, verbirgt sich ein totalitäres Regime. Wie passt das zusammen? Wie viel Unrecht verträgt der Fortschritt?
Inhaltsverzeichnis
Teil I: Erste Eindrücke, ein kurzer Rückblick und beginnende Reflexionen über die Fragwürdigkeit von Begriffen (im Jahr 2002)
- Der allgegenwärtige Völkermord und das normale Leben
- Ferne Verbrechen und Formen des legitimen Umgangs damit
- Die Wahrheit der Sieger, die Wahrheit der Besiegten und die Notwendigkeit einer Vereinbarkeit von beidem
- Die Gacaca-Pilotverfahren und ihre Wahrnehmung in Ruanda
- Zwischen Verheißung und Zumutung – Aspekte einer widersprüchlichen justiziellen Herausforderung
- Völkermord, Massaker und andere Verbrechen – Begriffe und ihre Botschaften zur Benennung von Unrecht
Teil II: Eine neue Verfassung, erstmalige Präsidentschafts- und Parlamentswahlen und die Herausbildung eines Narrativs (in den Jahren 2003 und 2004)
- Ein Staat konstituiert sich unter schwierigen Bedingungen, aber nach vorgefasstem Plan
- Das Selbstverständnis der neuen ruandischen Politik und die Frage nach seiner Berechtigung
- Der Unterschied zwischen geschriebenem Recht und praktischer Politik oder der Verweis auf die afrikanische Form der Demokratie
- Zehn Jahre danach – Erinnerung an den Völkermord und Aufbau eines neuen Feindbildes
- Individuelles Leid und dessen öffentliche Anerkennung – über Inhalt und Grenzen von Betroffenheit und Gedenken
- Schlimmste Verbrechen, viele Täter, eine Schutzmacht: von Abgründen in dieser und jener Richtung
Teil III: Die Zeit der Konsolidierung (in den Jahren 2005–2007)
- Die Gesellschaft bekommt Helden
- Gacaca beginnt im ganzen Land. Die Hoffnungen der Täter und die Befürchtungen der Opfer
- Exkurs: Was 1994 in Ruanda Täter zu Tätern machte und die Frage nach der Besonderheit der ausgeübten Gewalt
- Die neue Politik nach außen. Vom Nutzen mächtiger Freunde
- Exkurs: Was den Völkermord in Ruanda vom Holocaust unterscheidet
- Die neue Politik nach innen. Effizienz, Effizienz, Effizienz
Teil IV: Ein selbstbewusster Staat in Afrika (die Jahre 2008–2010)
- Siege (und Scheinsiege) in der Politik
- Exkurs: Entwicklungspolitik in Ruanda – zwischen Anbiederung, Verständnis und Kritik
- Siege (und Scheinsiege) im Recht – vom zweifelhaften Erfolg rechtsoffensiver Maßnahmen
- Siege (und Scheinsiege) im Krieg – das überraschende Bündnis mit dem Kongo und dessen Folgen
Teil V: Die langen Schatten der Vergangenheit und die fortdauernde Vereitelung ihrer Aufhellung (die Jahre 2011 und 2012)
- Gacaca – Ende und Ergebnis eines ambivalenten Unternehmens
- Arusha – vom zweifelhaften Sinn einer gezügelten internationalen Strafjustiz
- Die Gefährlichkeit oppositioneller Tätigkeiten innerhalb und außerhalb Ruandas
- Die Lüge als politisches Prinzip? – Der Fall der Bewegung M23 und seine grundsätzliche Bedeutung
Portrait
Gerd Hankel, Dr. jur., Dipl.-Übersetzer, Jahrgang 1957, studierte an den Universitäten Mainz, Granada und Bremen. Seit 1993 ist er freier Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, seit 1998 wissenschaftlicher Angestellter der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Er ist Autor zahlreicher Beiträge zum humanitären Völkerrecht, zum Völkerstrafrecht und zum Völkermord in Ruanda, dessen juristische Aufarbeitung er seit 2002 untersucht. Zuletzt erschienen von ihm » Ruanda. Leben und Neuaufbau nach dem Völkermord. Wie Geschichte gemacht und zur offiziellen Wahrheit wird« (2016) sowie » Ruanda. 1994 bis heute« (2019).
