Kaum ein Schriftsteller hat die intellektuelle Auseinandersetzung in Afrika so beeinflusst wie dier Kenianer Ngũgĩ wa Thiong’o. Von den Machthabern seines Landes gefürchtet und von breiten Schichten seines Volkes verehrt und geachtet, wurde alles, was er schrieb, in ganz Afrika mit grosser Spannung erwartet, jedes seiner Werke erlebte höchste Auflagen.
Die vorliegenden Kurzgeschichten wurden in der Zeit von 1963 bis 1975 geschrieben und behandeln Themen wie den erfolgreichen Freiheitskampf Kenias (Mau-Mau-Aufstand), den Konflikt zwischen Gĩkũyũ-Tradition und Christentum sowie den Zusammenprall ländlicher und städtischer Wertsysteme. Die Erzählweise ist direkt und ohne stilistische Umwege. Diese Geschichten können »als autobiographische Seite meiner schöpferischen Tätigkeit angesehen werden. Sie alle berühren Probleme, die mich im Laufe dieser Jahre beschäftigt haben, und geben meine Stimmungen in dieser Zeit wieder.«
Ngũgĩ wa Thiong’o ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Ostafrikas und ein Gigant der postkolonialen Literatur. Hier sind ein paar prägnante Punkte zu seinem Schaffen und seiner Philosophie:
Politischer Widerstand
Sein Werk ist untrennbar mit seinem politischen Aktivismus in Kenia verbunden. Sein Theaterstück I Will Marry When I Want, das die soziale Ungerechtigkeit thematisierte, führte 1977 dazu, dass er unter dem Regime von Daniel arap Moi ohne Anklage in einem Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert wurde.
Während dieser Haftzeit schrieb er seinen berühmten Roman Devil on the Cross heimlich auf Toilettenpapier.
Kernthemen
In seinen Essays und Romanen (wie dem monumentalen Herr der Krähen) behandelt er immer wieder:
- Die psychologischen Folgen des Kolonialismus ("Decolonising the Mind").
- Die Korruption und den Verrat der afrikanischen Eliten nach der Unabhängigkeit.
- Den Kampf der einfachen Bauern und Arbeiter.