Chinua Achebe - der dritte Band seiner »Afrikanischen Trilogie«
Um 1920 in Nigeria: Ezeulu sieht sich selbst als der Pfeil, den Gott in seinen Bogen spannt, um klar zu zeigen, was richtig und was falsch ist. Falsch wäre es, mit den Kolonialherren einen Kompromiss einzugehen oder mit den Missionaren gemeinsame Sache zu machen. Aber seine Leute stellen sich gegen ihn, als das Falsche richtig scheint. - Der Abschluss der »Afrikanischen Trilogie« - der Roman einer existentiellen Entscheidung.
Warum Der Pfeil Gottes lesen?
Der Pfeil Gottes ist der dritte Teil der Afrikanischen Trilogie von Chinua Achebe –
und vielleicht der komplexeste. Der Roman erzählt nicht nur die Geschichte eines Priesters,
sondern zeigt, wie koloniale Macht und traditionelle Religion im Nigeria der 1920er-Jahre
frontal aufeinandertreffen. Ezeulu, Hohepriester der Gottheit Ulu, sieht sich selbst als
« Pfeil Gottes » und weigert sich, mit den Kolonialherren und Missionaren Kompromisse
einzugehen.
Achebe macht sichtbar, wie die Entscheidungen eines einzelnen spirituellen Führers das Leben
eines Dorfes prägen – und wie Kolonialverwaltung und christliche Mission versuchen, diese
Autorität zu brechen und durch ihre eigene Ordnung zu ersetzen. Während Ezeulu an seiner
religiösen Wahrheit festhält, verschieben sich im Hintergrund die wirtschaftlichen, politischen
und religiösen Kräfte; das, was « falsch » schien, beginnt für sein Volk plötzlich richtig zu
wirken.
Der Roman bleibt im Gedächtnis, weil er zwei Ebenen gleichzeitig erzählt: die innere
Krise eines Priesters, der zwischen Glauben, Zweifel und Stolz hin‑ und hergerissen
ist, und den Konflikt zwischen kolonialer Macht und traditioneller Ordnung.
So wird sichtbar, wie Kolonialismus nicht nur Länder verändert, sondern auch Götterbilder,
Rituale und das Verhältnis einer Gemeinschaft zu ihrer eigenen Geschichte.
Für Leser·innen, die sich für Postkolonialismus, Religion, Macht und Identität interessieren,
ist Der Pfeil Gottes ein unverzichtbarer Text. Achebe zeigt mit präziser, scheinbar
einfacher Sprache, wie komplex die Fragen sind, die sich hinter einem « Ja » oder « Nein »
zur Zusammenarbeit mit den Kolonialherren verbergen – und weshalb diese Konflikte bis heute
nachhallen.
Portrait Chinua Achebe
Chinua Achebe, geb. 1930 in Ogidi, Nigeria, lehrte als Professor an nigerianischen, englischen und amerikanischen Universitäten. 1958 erschien sein erster Roman Things Fall Apart (Alles zerfällt), der seinen Weltruhm begründete und in mehr als 50 Sprachen übersetzt wurde. 2002 wurde er für sein politisches Engagement mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, 2007 erhielt er den Man Booker International Prize. Achebe starb 2013 in Boston.
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