Sechs Nächte lang lässt sich Koyaga, der grosse Jäger und Präsident einer fiktiven Republik in Westafrika, sein Leben von einem Griot, einem Hofpoeten, erzählen. Als Sohn eines Kriegshelden und einer grossen Zauberin hatte Koyaga ideale Voraussetzungen, erster Mann des Staates zu werden und dies unter Einsatz aller Mittel - Mord, Raub, Korruption, Vergewaltigung - zu bleiben. Doch dann kommt die Demokratisierung und Wahlen stehen an. Aus dem Lobgesang des Hofpoeten wird unmerklich eine bitterböse Anklage jeglichen Machtmissbrauchs.
Kourouma ist gleichzeitig ironisch und authentisch, er ist ein Meister in der Verwendung oraler Sprachkunst und wurde als »afrikanischer Voltaire« bezeichnet.
Ahmadou Kourouma (1927–2003) war einer der bedeutendsten afrikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Der gebürtige Ivorer hat die frankophone Literatur revolutioniert, indem er die klassische französische Sprache mit afrikanischen Rhythmen, Sprichwörtern und Denkweisen aufbrach.
Hier sind drei prägende Aspekte seines Schaffens:
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Der literarische Durchbruch: Sein Debütroman Les Soleils des indépendances (Die Sonnen der Unabhängigkeit, 1968) gilt als Meilenstein. Darin kritisierte er mutig die Korruption und die gescheiterten Versprechen der jungen afrikanischen Nationalstaaten nach der Kolonialzeit – und das in einem Französisch, das so lebendig und "unangepasst" war, dass es zunächst kaum Verleger fand.
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Die Perspektive der Kindersoldaten: Sein international bekanntestes Werk, Allah n’est pas obligé (Allah muss nicht gerecht sein, 2000), erzählt aus der Sicht eines Kindersoldaten von den grausamen Stammeskriegen in Westafrika. Trotz des düsteren Themas bewahrt das Buch eine bittere Ironie und eine kindliche Direktheit.
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Ein bewegtes Leben: Kourouma war kein reiner Theoretiker. Er diente in der französischen Armee in Indochina, saß in seiner Heimat aus politischen Gründen im Gefängnis und lebte jahrelang im Exil. Diese persönlichen Erfahrungen mit Macht und Ohnmacht spiegeln sich in der Authentizität seiner Texte wider.
Kourouma erhielt für sein Werk zahlreiche Preise, darunter den renommierten Prix Renaudot. Er bleibt eine unerschütterliche Stimme, die die Komplexität und die Wunden des postkolonialen Afrikas ungeschönt und doch poetisch festgehalten hat.