Naguib Mahfouz

Der Schreiber vom Nil und der helvetische Weltenwind

Nagib Machfus zwischen Gassen Kairos, afrikanischen Netzwerken und Schweizer Brücken

Einleitung: Die Universalität eines im Kairoer Region verwurzelten Werks

Das Werk des ägyptischen Romanciers Nagib Machfus (1911–2006) markiert einen grundlegenden Meilenstein der Weltliteratur des zwanzigsten Jahrhunderts und wurde 1988 historisch mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur gekrönt.

Oft als „Vater des ägyptischen Romans“ oder als „Zola des Nil“ bezeichnet, hat Machfus ein literarisches Universum geschaffen, dessen geografische Verankerung nahezu ausschließlich auf die Grenzen seiner Heimatstadt Kairo beschränkt ist.

Geboren im Volksviertel Al-Gamaliya, verbringt er seine Kindheit an der Schnittstelle von Traditionen und politischen Umbrüchen.

Im Jahr 1919, als er noch ein Kind ist, wird er Zeuge der großen Volksdemonstrationen gegen die koloniale Ordnung, die die alliierten Mächte unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg etabliert hatten.

Dieses historische Trauma und diese patriotische Leidenschaft durchziehen sein gesamtes Werk und bilden den Rohstoff für sein Meisterstück, die Kairoer Trilogie.

Nach einem Philosophiestudium an der Universität Kairo, das unter dem intellektuellen Einfluss reformorientierter Persönlichkeiten wie Salama Moussa beginnt, führt Machfus ein Doppelleben als Staatsbeamter und produktiver Schriftsteller.

Sein Werk, das sich über nahezu sechzig Jahre erstreckt, untersucht die Veränderungen der ägyptischen Gesellschaft durch das Prisma der Gasse (hâra), die als Mikrokosmos der Menschheit begriffen wird.

Diese lokale Verankerung hat seine Verbreitung jedoch keineswegs eingeschränkt.

Die Untersuchung der Verlagsnetzwerke auf dem afrikanischen Kontinent einerseits und der Geschichte seiner Rezeption in der Schweiz andererseits zeigt, wie diese intime Chronik Kairos eine wahrhaft globale Resonanz erlangt hat.

Kontinentale Verankerung: Afrikanische Perspektiven und verlegerische Dekolonisierung

Die Rezeption Nagib Machfus auf dem afrikanischen Kontinent steht im Zentrum der kulturellen Dekolonisationsbewegungen und der Anerkennung der Literaturen des Südens.

Referenzzeitschriften wie Africultures und Jeune Afrique betonen, dass Machfus eine ästhetische Schlüsselbrücke zwischen dem arabischsprachigen Nordafrika und dem subsaharischen Afrika verkörpert.

Er wird systematisch mit anderen Nobelpreisträgern des Kontinents in Verbindung gebracht – Wole Soyinka, Nadine Gordimer, J. M. Coetzee und Doris Lessing –, mit denen er die Ehre teilt, posthum zum Ehrenpräsidenten des renommierten Caine Prize for African Writing ernannt worden zu sein.

Die englischsprachige Verbreitung seines Werks verdankt einen wesentlichen Teil ihres materiellen Erfolgs der African Writers Series (AWS), die 1962 vom britischen Verlag Heinemann unter dem verlegerischen Anstoß des Nigerianers Chinua Achebe gegründet wurde.

Konzipiert als englischsprachiges Gegenstück zur Pariser Zeitschrift Présence Africaine, ermöglichte die AWS eine Öffnung der Literaturen des Kontinents, indem bedeutende Werke aus dem Arabischen, Französischen oder Portugiesischen ins Englische übersetzt wurden.

Machfus findet dort einen herausragenden Platz mit der Veröffentlichung von Übersetzungen wie Midaq Alley (Band 151 der Reihe) und Miramar.

Diese weltweite Einbindung kontrastiert stark mit den anfänglichen Vorbehalten der europäischen Handelskreisläufe.

Vor seiner Würdigung durch den Nobelpreis 1988 wurde Machfus vor allem in englischer Sprache von der American University in Cairo Press sowie von libanesischen Verlagen publiziert.

Die Londoner Niederlassung von Heinemann, die damals von sämtlichen Titeln der Reihe nur 300 Exemplare pro Jahr verkaufte, betrachtete diese Veröffentlichungen als finanziellen Abgrund und beschloss zu Beginn des Jahres 1988, ihre britischen Auswertungsrechte abzutreten – eine kommerzielle Entscheidung, die der Verlag wenige Monate später bitter bereute.

Die Besonderheit der kritischen Rezeption Machfus in den afrikanischen Medien liegt in der Ablehnung rein westlicher Interpretationsraster, die dazu tendieren, ihn auf reduktionistische Weise mit den Figuren des europäischen Realismus des neunzehnten Jahrhunderts gleichzusetzen.

In Ländern wie Tunesien oder Algerien hebt die Literaturkritik lieber seine Rolle als Zeuge der politischen Enttäuschungen des modernen Ägypten hervor.

Sein Roman Die Schöne von Kairo (Al-Qâhira al-jadîda, 1945) illustriert diesen scharfen Realismus, indem er das Schicksal von Machfus Abd al-Dayim beschreibt, eines armen Studenten, der gezwungen ist, eine Zweckehe zu akzeptieren, um der Armut zu entkommen, und so die Mechanismen einer systemischen Korruption offenlegt, verkörpert durch Al-Ikhshidi, den Handlanger des Bey.

Ebenso präsentiert sich Der Tag der Ermordung des Führers (The Day the Leader Was Killed) als kritische Chronik der verheerenden Folgen der Infitah-Politik (wirtschaftliche Öffnung) unter Anwar as-Sadat.

Diese Sensibilität gegenüber sozialen Spannungen erklärt, weshalb die Figur Machfus weiterhin zeitgenössische Schriftsteller des Kontinents inspiriert, wie die jüngste Verleihung des Naguib-Mahfouz-Preises für den arabischen Roman an den tunesischen Autor Nizar Chakroun im Februar 2026 bezeugt.

Diese kontinentale Bedeutung zeigt sich auch in den engen Beziehungen, die er zu seinen afrikanischen Kollegen pflegte.

Am 20. Januar 2005 besucht die südafrikanische Romanautorin Nadine Gordimer ihn in Kairo.

Diese Begegnung krönt eine langjährige gegenseitige Bewunderung: Gordimer, eine zentrale Theoretikerin der kulturellen Komplexität Afrikas in ihrem Essay The Black Interpreters, verfasste die Einleitung zum Sammelband Three Novels of Ancient Egypt (Khufu’s Wisdom, Rhadopis of Nubia und Thebes at War) sowie das Vorwort zu seinen Erinnerungen Echoes of an Autobiography (Echo meines Lebens).

Das Werk von Machfus war zudem Gegenstand bedeutender audiovisueller Vermittlungen, wie etwa des dokumentarischen Porträtfilms von Francka Mouloudi, Nagib Machfus: Passage du siècle (1999), der 2002 auf dem Festival der African Literature Association gezeigt wurde.

Dieser mittellange Film, koproduziert von Arte, gibt dem Schriftsteller das Wort zu brennenden Themen wie islamistischer Fundamentalismus, die Rolle der Frauen und die Zukunft der Zivilisation und erinnert zugleich an die berühmte Formel des Kritikers Edward Said, dem zufolge Machfus nicht nur Zola oder Dickens ebenbürtig ist, sondern auch Galsworthy, Mann und Jules Romains.

Unionsverlag und die Schweiz: Hinter den Kulissen einer verlegerischen Kühnheit

Wenn sich die englischsprachige Verbreitung auf postkoloniale Netzwerke stützte, so hat die Einführung Nagib Machfus in den deutschsprachigen europäischen Raum ihren Ursprung in der Schweiz – dank der Kühnheit des Zürcher Verlags Unionsverlag.

Gegründet 1975 im Quartier Hottingen von Lucien Leitess (geboren 1950, Student der Geschichte, Philosophie und deutschen Literatur in Zürich), baute Unionsverlag auf dem Konzept des „Weltenwind“, des „Windes der Welt“ auf, das darin besteht, den deutschsprachigen Lesern große erzählerische Stimmen aus geografischen Horizonten nahezubringen, die von der Buchindustrie bis dahin vernachlässigt wurden.

Der erste Titel in der Geschichte des Zürcher Hauses, den Leitess veröffentlichte, war Ich wünsche euch des Weltenalls Erbeben von Lisel Bruggmann, ein Band, der den Kämpfen der Schweizer Arbeiterklasse gewidmet ist und von Beginn an die soziale und politische Verankerung des Verlags markierte.

Die Erwerbung der Rechte an den Werken Machfus durch Unionsverlag stellt ein wahres verlegerisches Abenteuer dar.

Ende der 1970er Jahre zwingt das Fehlen offizieller Kanäle Lucien Leitess dazu, eine geradezu detektivische Recherche zu betreiben: Er bringt die Privatadresse des Schriftstellers – „Nile Street 77“ – über das zentrale Postamt von Kairo in Erfahrung, bevor er ihm einen ersten Brief schickt.

Im September 1988 erhält Unionsverlag eine mündliche Option auf das Gesamtwerk von Machfus von einer Schweizer Literaturagentur am Zürichberg.

Trotz des enormen Drucks großer deutscher Verlage nach der Bekanntgabe des Nobelpreises im Oktober desselben Jahres entscheidet sich Machfus auf ritterliche Weise, sein Wort zu halten und vertraut sein Werk der bescheidenen helvetischen Struktur an.

Um die Vereinbarungen endgültig zu besiegeln, organisiert Lucien Leitess im Januar 1989 eine denkwürdige Reise nach Kairo.

Das Treffen wird für 7.30 Uhr morgens im Café Ali Baba auf dem Tahrir-Platz angesetzt, dem Lieblingsort des Schriftstellers für seine morgendlichen Arbeitssitzungen.

Die Nervosität des jungen Verlegers, der morgens ungern früh aufsteht, veranlasst ihn dazu, die Strecke am Vortag abzugehen und einen zweiten, großformatigen, laut tickenden Wecker zu kaufen, um jeder Panne vorzubeugen.

Nach einem Weckruf um 5.30 Uhr und einem nervösen Warten auf dem Tahrir-Platz betritt Leitess um 7.21 Uhr ein leeres Café.

Im oberen Stockwerk erscheint der ägyptische Schriftsteller im Gegenlicht nahe einem Fenster, liest seine Zeitung und raucht.

Um Punkt 7.30 Uhr legt Machfus seine Tageszeitung zusammen, richtet sein Zigarettenpäckchen der Marke „Kent“ geometrisch und im rechten Winkel zu den Mustern der Tischdecke aus, steht auf und schreitet energisch – in einem abgetragenen schwarzen Mantel – auf den Verleger zu, um ihn mit strahlendem Lächeln und folgenden Worten zu begrüßen: „Welcome Mr. Leitess! So pleased to meet you! I have been waiting for you!“.

Diese historische Partnerschaft ermöglichte es Unionsverlag, ab 1986 ununterbrochen jedes Jahr einen Roman von Machfus zu veröffentlichen und so nachhaltig zur Integration der ägyptischen Literatur in das kulturelle Erbe der Schweiz und Europas beizutragen.

Diese Kontinuität brachte Lucien Leitess 2015 die Auszeichnung „Verleger des Jahres“ der Fachzeitschrift Buchmarkt ein, ferner den Kulturpreis des Kantons Zürich 2017 sowie eine Ehrung der Stadt Zürich im Jahr 2023 für sein gesamtes Lebenswerk.

Obwohl Unionsverlag 2023 vom deutschen Verlag C. H. Beck übernommen wurde, wurde die verlegerische Kontinuität und die Bewahrung dieses einzigartigen Katalogs durch den Verbleib des historischen Zürcher Teams – insbesondere Lea Artmeyer, Matthias Gräzer und Ulla Steffan – gesichert.

Hartmut Fähndrich und das Genie der sprachlichen Transposition

Der Erfolg dieser literarischen Transplantation auf helvetischem Boden beruht auf der außergewöhnlichen Übersetzungs- und Kulturvermittlungsarbeit des Forschers und Übersetzers Hartmut Fähndrich.

Geboren 1944 in Tübingen, ließ sich Fähndrich 1978 in der Schweiz nieder, wo er sich in Bern ansiedelte und bis zu seiner Pensionierung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) Arabisch und Geschichte der islamischen Kultur unterrichtete.

Als Spezialist für zeitgenössische arabische Prosa ist Fähndrich der Hausübersetzer bedeutender Autor:innen der Literatur des Nahen Ostens und Nordafrikas, wie Ibrahim al-Koni, Sonallah Ibrahim, Alaa al-Aswani und Gamal al-Ghitani.

Für das Werk von Machfus hat er zahlreiche Direktübersetzungen aus dem Arabischen ins Deutsche angefertigt und punktuell mit anderen renommierten Übersetzer:innen zusammengearbeitet, etwa mit Doris Kilias (die unter anderem As-Sukkariqa / Das Zuckergässchen übersetzte und im Juni 2008 in Berlin verstarb) und Wiebke Walther (Übersetzerin von Miramar).

Fähndrichs Beitrag geht über bloße sprachliche Äquivalenz hinaus; er bemüht sich darum, dem deutschsprachigen Lesepublikum die historische und soziologische Komplexität des modernen Ägypten zugänglich zu machen, ohne dessen ästhetische Alterität zu einebnen.

Diese gewaltige Arbeit als kultureller Mittler wurde durch zahlreiche Schweizer und internationale Auszeichnungen gewürdigt und bestätigt die zentrale Rolle der Schweiz als Labor für literarische Übersetzung weltweit.

  • Der Übersetzungspreis der Stadt Bern.
  • Der Übersetzungspreis der Arabischen Liga.
  • Der Schweizer Literaturpreis 2016, der seinen außergewöhnlichen Werdegang als Entdecker literarischer Talente würdigt.
  • Der Sheikh Hamad Translation Award in Doha im Jahr 2018.
  • Der Turjuman Translation Award im November 2023, der gemeinsam den Übersetzer und den Verlag Unionsverlag für die Qualität der Verbreitung der Werke Nagib Machfus auszeichnet.

Auswahl übersetzter Werke


Titel Deutsch Übersetzer:innen / Mitarbeitende Erscheinungsjahr in der Schweiz Literarische Besonderheit und kritische Aufnahme
Die Kneipe zur Schwarzen Katze H. Fähndrich, S. Enderwitz, D. Kilias 1993 Sammelband mit Erzählungen, die die melancholische Intimität und die Skurrilität der Kairoer Cafés einfangen.
Die segensreiche Nacht H. Fähndrich, W. Walther 1994 Erzählungen, die von der Kritik mit „Fermaten“ verglichen werden, welche die Niederschrift großer Romane vorbereiten.
Das junge Kairo Hartmut Fähndrich 2011 Romanhafte Analyse der emanzipatorischen Bestrebungen und inneren Zerrissenheit der ägyptischen Jugend.

Auswahl relevanter Auszeichnungen


Jahr der Auszeichnung Titel des Literaturpreises Verleihende Institution Bedeutung für die arabische Literatur in der Schweiz
2005 Übersetzer-Barke Verband deutschsprachiger Übersetzer (VdÜ) Würdigt die professionelle Ethik von Unionsverlag gegenüber seinen Übersetzer:innen aus dem Arabischen.
2015 Verleger des Jahres Fachzeitschrift Buchmarkt Kürt Lucien Leitess für seine engagierte Verteidigung der Weltliteraturen.
2016 Schweizer Literaturpreis Bundesamt für Kultur (BAK) Nationaler Ehrung für Hartmut Fähndrich in seiner Rolle als kultureller Mittler.
2023 Turjuman Translation Award Kulturbehörden in Doha (Katar) Internationaler Höhepunkt der Zusammenarbeit Fähndrich–Unionsverlag in Sachen Machfus.

Kritische und metaphysische Perspektiven: Jenseits des Sozialrealismus

Die Analyse der Tiefenstruktur des Werks von Nagib Machfus offenbart komplexe thematische Dynamiken zweiter und dritter Ordnung.

So sehr seine Schreibweise häufig dem Sozialrealismus zugerechnet wird, handelt es sich in Wahrheit um einen „suggerierenden“ oder metaphysischen Realismus, der besonders in seinen Novellen und Kurzgeschichten sichtbar wird.

Die Untersuchung des Sammelbands L’Organisation secrète et autres nouvelles, herausgegeben bei Actes Sud/Sindbad, zeigt, wie Machfus das anfängliche Chaos – sei es urban oder psychologisch – als Ausgangspunkt seiner literarischen Kreation nutzt.

In Erzählungen wie L’Oubli (1984), Ferdaous (1969) oder Monsieur X. (Al-sayyid sîn, 1984) stellt der Romancier Figuren dar, die von Müßiggang, Perspektivlosigkeit oder sozialer Entbehrung gezeichnet sind.

Weit davon entfernt, im Verzweiflung zu enden, schließt die Erzählung fast immer mit einer Form kosmischer Versöhnung, einer Betrachtung des Kosmos, in der die wohlwollende Fügung über die tragische Notwendigkeit siegt.

Die Figuren Machfus finden so zu einem „Ja“ zu einer Weltordnung, die sie übersteigt, und belegen damit seine Nähe zu einer Tradition hellen philosophischen Skeptizismus eher als zum europäischen Naturalismus eines Zola.

Diese allegorische und kritische Dimension hat den Autor sein Leben lang heftigen politischen und religiösen Anfeindungen ausgesetzt.

Sein Roman Die Kinder unseres Viertels (Awlâd hâratinâ, 1959), eine Übertragung der Heilsgeschichte in das vertraute Universum einer ägyptischen Gasse, wurde von den Autoritäten von Al-Azhar unter dem Vorwurf der Blasphemie verboten.

Die Feindseligkeit extremistischer Bewegungen kulminierte 1994 in einem Mordversuch, bei dem Machfus schwer am Hals niedergestochen wurde.

Obwohl er seine Verletzungen überlebte, verlor der Schriftsteller die Gebrauchsfähigkeit seines rechten Arms und sah sich gezwungen, den Großteil seiner späteren Werke zu diktieren.

In den letzten Jahren seines Lebens arbeitete Machfus, um seine Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig seine intellektuellen Aktivitäten fortzuführen, täglich in Kairo im Büro seines Anwalts und Freundes Nabil Mounir Habib, dessen Privatbibliothek ihm als ständige Referenzbasis diente.

In diesem Kontext eingeschränkter Kreativität entstanden die kurzen, traumartigen Erzählungen, die unter dem Titel Die Träume (The Dreams) veröffentlicht wurden, sowie die in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Mohamed Salmawy zwischen 1994 und 2001 geführten Gespräche, die im Band Nagib Machfus at Sidi Gaber zusammengefasst sind und von einer unerschütterlichen metaphysischen Gelassenheit angesichts der Widrigkeiten zeugen.

Diese politische und soziale Dimension des erzählerischen Werks von Machfus entfaltete sich außerdem spektakulär durch das ägyptische Kino.

Regisseur Salah Abou Seif war der Pionier dieser Adaptionen mit dem Spielfilm Anfang und Ende (Bidâya wa nihâya, 1960), einer getreuen Umsetzung des gleichnamigen Romans von 1949, in dem Omar Sharif als ehrgeiziger Offizier, Sanaa Gamil als geopferte Schwester und Amina Rizq als mutige Mutter auftreten, die nach dem Tod des Familienpatriarchen gegen den sozialen Absturz ihrer Familie kämpft.

Darüber hinaus übte Machfus selbst einen großen Einfluss auf das Goldene Zeitalter des ägyptischen Kinos aus, indem er aktiv an der Ausarbeitung origineller Drehbücher mit Abou Seif mitwirkte – insbesondere für sozial engagierte Filme wie Al-Futuwa (Der Muskelprotz, 1957), At-Tariq al-masdud (Die Sackgasse, 1958) oder Al-Mugrim (Der Verbrecher, 1978).

Diese filmischen Produktionen trugen dazu bei, seine realistischen Figuren weit über den Kreis gebildeter Leser hinaus zu popularisieren und seine Papiergestalten in die populäre Vorstellungskraft der arabischen Welt zu überführen.

Schluss: Ruellen Kairos als Spiegel der Menschheit

Das Vermächtnis von Nagib Machfus liegt in seiner einzigartigen Fähigkeit, die Kairoer Gasse zum Spiegel der universellen menschlichen Erfahrung zu machen.

Ob unter dem Blickwinkel der afrikanischen literarischen Netzwerke der African Writers Series oder durch die in der Schweiz geschaffenen verlegerischen Brücken von Unionsverlag und Hartmut Fähndrich betrachtet, sein Werk zeigt, dass die radikale Treue zu einem intimen Territorium den sichersten Weg zur weltweiten Anerkennung darstellt.

Indem er geografische, sprachliche und ideologische Grenzen überschreitet, bekräftigt der „Schreiber von Kairo“ durch die Feinheit seiner Schreibweise fortwährend den Vorrang des Humanismus und der Meinungsfreiheit vor den Dogmatismen seiner Zeit.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer ist Naguib Mahfouz und warum ist er für die Weltliteratur wichtig? +
Naguib Mahfouz (1911–2006) gilt als Vater des ägyptischen Romans und erster arabischer Nobelpreisträger für Literatur (1988). Seine Romane und Novellen machen aus den Gassen Kairos ein literarisches Weltlabor und verbinden Sozialrealismus mit philosophischen und metaphysischen Fragen.
Welche Rolle spielt die African Writers Series für die Verbreitung von Mahfouz’ Werk? +
Die African Writers Series (AWS) trug maßgeblich dazu bei, dass Werke von Naguib Mahfouz wie Midaq Alley und Miramar ins Englische übersetzt und über den Kontinent hinaus verbreitet wurden. Die Reihe öffnete anglophone Leserinnen und Leser für afrikanische und arabische Literatur und vernetzte Mahfouz mit anderen Stimmen der Dekolonisation.
Warum ist die Schweiz ein wichtiger Ort für die deutschsprachige Rezeption von Naguib Mahfouz? +
Die Zürcher Verlagsgruppe Unionsverlag war entscheidend für die Einführung von Naguib Mahfouz im deutschsprachigen Raum. Seit den 1980er Jahren veröffentlicht sie seine Romane kontinuierlich und arbeitet eng mit dem Übersetzer Hartmut Fähndrich zusammen, der viele Werke direkt aus dem Arabischen ins Deutsche übertragen hat.
Welche Bedeutung hat Hartmut Fähndrich für die Übersetzung von Mahfouz ins Deutsche? +
Hartmut Fähndrich ist einer der wichtigsten Vermittler arabischer Literatur im deutschsprachigen Raum. Er übersetzte zahlreiche Werke Naguib Mahfouz’ und wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schweizer Literaturpreis und internationalen Übersetzungspreisen wie dem Sheikh Hamad Translation Award und dem Turjuman Translation Award.
Wie verbindet Naguib Mahfouz ägyptische Sozialrealität mit metaphysischen Themen? +
Viele Texte von Naguib Mahfouz beginnen in einem urbanen oder psychologischen Chaos und führen die Figuren durch soziale Konflikte, Armut oder politische Enttäuschungen. Am Ende steht oft eine Form von kosmischer Versöhnung, in der Zufall, Kontemplation und ein skeptischer Humanismus die starren Grenzen von Tragik und Ideologie überschreiten.
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