Wie die Bamileke mit der Hitze umgehen
Wenn in der Schweiz die Temperaturen steigen und wir über die nächste Hitzewelle stöhnen, lohnt sich ein Blick nach Kamerun: ins Grasland der Bamileke, einer Volksgruppe aus dem Westen des Landes, deren Alltag seit Jahrhunderten von Sonne, Trockenheit und starken Temperaturwechseln geprägt ist.
Statt die Hitze nur als Problem zu sehen, verstehen die Bamileke sie als strengen Lehrer, der den Rhythmus des Tages bestimmt: früh arbeiten, mittags Schatten suchen, viel trinken und langsamer gehen. Diese Haltung spiegelt sich in einer poetischen afrikanischen Redewendung, die wir im Folgenden vorstellen – zusammen mit einer kurzen Geschichte aus dem Dorfleben im Kameruner Grasland.
Geschichte aus dem Grasland der Bamileke
Im Grasland der Bamileke, in den Hügeln rund um Bafoussam, lag das Dorf Mbounda an einem besonders heißen Nachmittag still unter der Sonne.
Die roten Erdböden glühten, die Kinder suchten Schatten unter Bananenblättern, und selbst die Hühner wirkten zu müde, um zu suchen, was die Menschen hatten fallen lassen.
Nur der alte Fon Tchatchoua saß wie jeden Tag vor seinem Haus, den geschnitzten Holzstab neben sich, und beobachtete das Dorf.
Die junge Frau Nadege kam schweißgebadet den Hang herauf, einen Korb voller Maniokblätter auf dem Kopf, die Stirn glänzte in der flirrenden Luft.
„Großvater“, stöhnte sie, „dieser Sommer frisst meine Kraft, die Hitze ist wie Feuer auf meiner Haut.“
Der Fon lachte leise, rückte seinen Schattenplatz kein bisschen und sagte:
„Die Sonne ist ein strenger Lehrer, aber sie prüft nur, was du längst gelernt hast: langsam gehen, viel trinken, früh arbeiten.“
Dann fügte er in der Sprache seiner Vorfahren hinzu – einen Ausdruck, den man im Dorf benutzt, wenn die Hitze übermächtig scheint:
„Quand le soleil danse sur la tête, on laisse le corps marcher au rythme de l’ombre.“
(Wenn die Sonne auf deinem Kopf tanzt, lass deinen Körper im Rhythmus des Schattens gehen.)
Nadege setzte den Korb ab, setzte sich neben den Großvater und atmete tief durch.
„Also soll ich heute langsamer sein?“, fragte sie.
„Nicht langsamer“, korrigierte er, „klüger. Wir Bamileke sind ins Hochland gezogen, um näher am Wind zu leben. Die Hitze ist unser Gast, also behandeln wir sie mit Respekt: Wir geben ihr den Mittag, aber den Morgen und den Abend behalten wir für uns.“
Und so blieb Nadege im Schatten, trank Wasser aus dem Kalebassenkrug, und erst als die Sonne tiefer sank, ging sie weiter – nicht besiegt von der Hitze, sondern im eigenen Rhythmus.







